

Wow, die erste Woche im UNO-Hauptquartier war sehr intensiv. Ich hatte vor 5 Jahren mal eine Führung gemacht und mir extra noch vor Abflug den Film "Die Dolmetscherin" angeschaut, aber dann wirklich in dem Gebäude, ein paar Stockwerke unter Kofi Annan zu arbeiten, ist schon der Wahnsinn. Unten sind die ganzen Konferenzräume mit den Delegierten, Diplomaten und Botschafter, wo es um Krieg und Frieden, um Menschenrechte, Hilfe für Afrika uvm. geht. Und in den 35 Stockwerken darüber, setzt dann die Verwaltung um, was die Generalversammlung beschlossen hat. Alleine der erste Tag war schon der Hammer, wenn man alle Flaggen vor dem Gebäude wehen sieht und gegenüber des Eingangs sich Demonstranten lauthals für eine Initiative einsetzen (in diesem Fall gg. das Kastensystem in Indien). Das wird einem schon anderes... tolles Gefühl als ich meinen offiziellen UNO-Ausweis bekam und das erste mal durch die Sicherheitskontrolle ins Hauptgebäude durfte. Bislang war aber alles noch relativ human, die Leute hängen essen genauso in der Kantine und hängen im Kaffee ab. Wenig Starallüren oder oberwichtige Politiker bislang.


Mit meiner Abteilung habe ich ganz großes Glück, denn thematisch könnte das, was das
Global Compact Office macht nicht besser für mich passen. Der "Globale Pakt der Vereinten Nationen", wie es auf Deutsch heißt, bringt Firmen mit der UNO als auch NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und Länderregierungen zusammen. Letztendlich geht es darum, Globalisierung sozialer und umweltfreundlicher zu gestalten, z.B. indem Firmen versichern, gegen Kinderarbeit, Korruption und Umweltverschmutzung zu sein. Das Team ist mit 15 Leuten sehr klein und die meisten Kollegen sind sehr jung und hilfsbereit. Da macht es (noch) jeden Tag Spaß in die Arbeit zu gehen, etwas zu lernen und hoffentlich etwas gutes zu tun. Jedenfalls ist es nicht bürokratisch wie man der UNO oft nachsagt, was daran liegt, dass wir eben die Sprache von Firmen sprechen müssen. Derzeit sind 4.000 Teilnehmer im Pakt, die meisten globale Weltfirmen. Ich unterstütze den Manager für Kommunikation und Reports, d.h. wir kümmern uns darum, dass die teilnehmenden Firmen jährlich Nachhaltigkeits-Berichte herausgeben. Was mich am meisten beeindruckt ist, die Mischung zw. globalen, ideellen UNO-Zielen und Weltfirmen mit ihrem praktischen Einfluss. Und das auf höchster Ebene, z.B. geht es darum, für eine Veranstaltung Leute wie den neuen Generalsekretär Ban Ki-Moon, EU-Minister, Al Gore oder den Nobelpreisträger Yunus einzuladen. Bislang lerne ich sehr viel, hoffentlich bleibt das, die nächsten 3 Monate so. Auch mein Chef hat vor 2 Jahren als Praktikant angefangen, es ist verdammt schwer bei der UNO reinzukommen und dann noch schwerer Budget für einen zu bekommen. Schau ma mal...